Das „who is who“ vom ESC-Hater bis zur (nicht) selbsternannten -Expertin

Ich bin ja jetzt doch schon ein Weilchen mit von der ESC-Partie, schreibe mit Oliver Rau sogar an dem größten Buch über den Song Contest ever (erscheint in der edition innsalz im Juni 2015) und erlaube mir daher mal ein paar Charaktere vorzustellen, die einem so rund um die alljährliche Eurovisionsblase im Mai unterkommen:

European-Union-Flag-with-Rainbow-Stars-300x200Die/der SongContest-Ignorant ist ein Mensch, dem das Spektakel herzlich wurscht ist und sich daher weder darüber aufregt noch Begeisterung dafür entwickeln kann.

Die/der ESC-Hater ist hingegen jemand, der dagegen wettert, sich am besten per Kronenzeitungs-Leserbrief über die hohen Austragungskosten beschwert und auch dann noch matschkert, wenn Österreich das Ding gewinnt, weil das Lied schon auf Deutsch hätte sein sollen und der Herr Tom Neuwirth… (UND TSCHÜSS!)

Der/die Musikfestival-Interessentin ist aufgeschlossen, schaut sich die Shows auch im Fernsehen an und genießt die internationale Stimmung, wenn der ESC in ihrer Stadt ausgetragen wird. Und Punkt.

Die/der Grand Prix-Fan ist #unstoppable (auch auf Twitter, Facebook & Co.), ist jedes Mal, wenn wieder Karten online verkauft werden, einem Nervenzusammenbruch nahe, weil er/sie in der teuersten Kategorie nix mehr bekommen hat, war auch schon vor dem Conchita-Hype OGAE-Mitglied und opfert beinah seinen ganzen Jahresurlaub für Weihnachten, Silvester, Geburtstag und Ostern zusammen – ja, das alles und mehr ist nämlich der ESC für ihn/sie.

Der eurovisionäre Schwurnalist (Zitat aufrechtgehn.de) ist männlich, holt sich gern auf attraktive ESC-Starter (männlich!) einen runter und nimmt eine Zwitterstellung zwischen phänomenalem Fan und seriösem Journalisten ein. Er hat (natürlich!) keine Fan-, sondern Presse-Akkreditierung, bloggt/schreib für ein kleines (wohl sein eigenes) Online-Medium oder eine lokalregionale Zeitschrift und kann zwar von seiner journalistischen Tätigkeit nicht leben, kommt aber dadurch an die genialsten Fan-Devotionalien heran und tanzt auf jeder nur möglichen Delegationsparty. Ach ja und bei den Proben jubelt er auch schon mal probeweise in die Kameras und stört dadurch doch etwas seine Kolleg*innen von der

Presse. Sie hat zumindest im deutschen Sprachraum ein nennen wir’s mal ambivalentes Verhältnis zum ESC. Da es das größte TV-Ereignis weltweit ist muss man ja (augenrollend) darüber berichten, auch wenn man gerne über Sinnhaftigkeit und Qualität der Veranstaltung (augenrollend) die Nase rümpft. Einige wenige aber haben schon einen entspannteren (sprich professionelleren) Zugang zu Europas großem Musikfestival gefunden und produzieren wie ESC-Buchautor Jan Feddersen bereits Wochen davor fabelhafte Reportagen und widmen sich auch danach einer profunden Analyse.

Stichwort Analyse: damit sind wir bei dem kleinen Grüppchen von Eurovisions-Wissenschaftler*innen angelangt, die doch tatsächlich Bachelor-, Magister- und Doktorarbeiten über dieses gesellschaftspolitische Phänomen verfassen! Sie sind die eigentlichen Expert*innen (wie z.B. Dr. Eurovision Irving Wolther, Dr. Dean Vuletic,…), die aber meist von den Medien übersehen werden. Auf ihren Symposien sind kaum Presseleute anzutreffen. Diese wenden sich lieber an

den (zumeist männlichen) selbsternannten SongContest-Experten, der bei jeder nur möglichen Gelegenheit sein (herzlich unwichtiges) Fachwissen hinausposaunt (wie oft Norwegen den letzten Platz belegt hat, wie viele Punkte Bosnien 1992 bekommen hat, um im selben Atemzug dem Schreiber dieser Zeilen augenrollend mitzuteilen, dass Bosnien 1992 gar nicht am Grand Prix teilnahm und ja eigentlich Bosnien und Herzegowina heißt, was man auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch/Montenegrinisch… UND TSCHÜSS!). Sie sind zwar hirnleistungstechnisch 1 A beim Merken von unnötigen Details aus sechs Dekaden ESC, kommen aber ins Straucheln, wenn es darum geht goldene Regeln zu erkennen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Das haben

SongContest-Consulter drauf, die seit Jahren die Auftritte ganz genau beobachten und ein Gespür dafür entwickelt haben, was beim ESC funktioniert und was abschmiert. Einige TV-Stationen beschäftigen solche Damen, Herren und Transgender-Persönlichkeiten sogar und sind recht erfolgreich – siehe Schweden, Aserbaidschan und die Ukraine. Andere Sender investieren lieber in oben erwähnte Expert*innen, die unpassende Beiträge, Kostüme, Choreos und sündteure Promo-Kampagnen und Spezialeffekte anraten, die auch das durchschnittlichste Song/Sänger/Show-Paket leider nicht vor dem Absturz im (Semi-)Finale retten können…

Bleibt noch der ESC-Nerd zu erwähnen, der es versteht sich so richtig in die Thematik „eini zu nerden“, wie meine von mir zur (echten!) Expertin ernannte Kollegin in der PRIDE-Redaktion Karin Pointner dazu sagen würde. Tja, und was bist du in dieser illustren Beschreibung an Charakteren? Bist du gar einer ganz anderen Kategorie zuzuordnen? So oder so:

You are, you are unstoppable! I said it. Clear.

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