NDR: Marke „ESC“ weiter beschädigen oder Neustart?

Und wieder jemand mit einer ungefragten Meinung zum Sturm im Wasserglas rund um die NDR-Nominierung von Xavier Naidoo für den ESC 2016. Wieder ein Zuruf aus der Song-Contest-Consulting-Ecke – wird er wie so oft auch dieses Mal ignoriert?

Deutschland, 21. November: der zweitägige Aprilscherz im Spätherbst 2015 hat ein jähes Ende gefunden. Der NDR bricht seinen Vertrag mit Xavier Naidoo und ist ab sofort auf der Suche nach anderen Kandidat*innen für Deutschlands Beitrag zum größten TV-Friedensprojekt der Welt.

Schiefe Optik, Hals über Kopf, schlecht beraten

– der innerhalb der ARD für den ESC zuständige Sender beschädigt mit seinen Entscheidungen nicht erst seit heute (unabsichtlicherweise) die Marke „Eurovision“. Mit Stefan Raabs Engagement (fallweise) ab dem Jahr 1998 und Lenas Sieg 2010 schien das angeknackste Image wieder restauriert. Doch dann folgten für den Wettbewerb unpassende 3S-Pakete, die 2013-2015 (für mich) erwartungsgemäß zu schlechten Platzierungen beim Song Contest führten, wie ich es heuer gemeinsam mit meinem Co-Autor Oliver Rau im ESC-Jubelbuch »Friede, Freude, Quotenbringer« dokumentiert und analysiert habe.

Der heutige Rücktritt vom eigenen Coup einen polarisierenden Künstler ins Rennen um den Sieg in Stockholm zu schicken (noch dazu einer der Pop-Größen im deutschsprachigen Raum) knüpft nahtlos an das 0-Punkte-Desaster von Wien an. Damit fügt der NDR nicht nur seiner Reputation Schaden zu, sondern auch der Marke „ESC“, denn welche Sänger*in, welche Plattenfirma lässt sich auf einen Vertragspartner ein, mit dem tagtäglich damit zu rechnen ist, dass man nicht mit ihm rechnen kann?

Best Practice sieht anders (schwedisch / russisch / ukrainisch / aserbaidschanisch) aus

Bessere Rahmenbedingungen bietet da beispielsweise Deutschlands Nachbar Österreich. Dort hat der ORF 2014 Schneid bewiesen und Conchitas Direktnominierung Shitstorms und wüster Proteste zum Trotz bis zum triumphalen Ende durchgezogen.

2015 ließ der TV-Sender auch nach dem Abschmieren der Makemakes die Burschen nicht (wie der NDR Ann Sophie) im Regen stehen und für 2016 bahnt sich rund um Eberhard Forchers AustroZone ein vielversprechendes Selektionsverfahren an.

Verständlich, dass nach den aktuellen Vorkommnissen und der Misserfolge der letzten Jahre Stimmen laut werden der ARD die Auswahl des deutschen ESC-Beitrages abzunehmen (vgl. SZ-Kommentar). Das würde aber nichts an der grundsätzlichen Herausforderung ändern, die bis dato nur eine sehr überschaubare Minderheit der rund 40 am ESC teilnehmenden TV-Stationen angenommen hat. Die Erfolgschancen würden auch für das ZDF als zweite deutsche, ESC-teilnahmeberechtigte Rundfunkanstalt nicht besser aussehen.

Warum? Darum!

meint Mario Lackner, #60JahreSongcontest-Autor und Creative Consulter für Künstler*innen, Plattenfirmen und Fernsehsender

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